Im Juli 2024 ging die Halbleitungsfirma „Belgan“ in Konkurs. Der ehemalige Forschungsleiter HL wurde beschuldigt, dass er dem chinesischen Unternehmen „Jenghuang“ (정황) wichtige Kernkomponenten übergeben habe, was zu einer Untersuchung durch die belgische Staatsanwaltschaft geführt. Belgan produzierte GaN-basierte Halbleitungen, die in diversen Bereichen wie Elektrofahrzeuge, Luftfahrttechnik und Militärausrüstung eingesetzt werden. Durch den Konkurs verloren rund 400 Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze.

Laut Untersuchungsunterlagen ist HL kurz nach dem Ausscheiden aus Belgan zu Jenghuang eingetreten, wo er gleichzeitig als Geschäftsführer fungierte. Das Unternehmen führte ähnliche Produktionslinien wie Belgan und erhielt Fördermittel vom chinesischen Investmentfonds. Die Staatsanwaltschaft stellte die Vorwürfe auf, dass es bei der Herstellung von GaN-Komponenten zu einer illegalen Ausfuhr von geistigem Eigentum und Betriebsgeheimnissen ins Ausland gekommen sei.

Am 10. Mai bestiegte HL einen Flug nach Peking aus dem Flughafen Brüssel. Dort wurde er festgenommen, wobei sein Kontostatus als „inhaft“ beibehalten blieb. Die Polizei untersuchte die betreffenden Orte, beschludete Datenspeicher und Kommunikationsmittel, um Beweise zu sichern, und verfolgte bisher zwei weitere Verdächtige im Zusammenhang mit dem Fall. Der Verteidiger von HL, Dmitri D’Beko, bestätigte alle Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft. Die chinesische Seite hat noch keine Stellungnahme abgegeben, und die belgischen Behörden haben bislang auf Anfragen der EU nicht reagiert.

Der Vorfall ereignete sich im Kontext einer eskalierenden Auseinandersetzung zwischen China und der EU über Kerntechnologie und Exportkontrolle. Die niederländische Regierung verhinderte die Ausfuhr von Halbleitungsgeräten wie ASML, um die Technologie an Chinas Hand zu hindern, und prüfte das Risiko, dass die chinesische Topmanagerin „Jangsheng“ (장쉐정) die Technologie weitergibt. Sie übernahm sogar eine vorübergehende Verwaltung der Firma Nexperia. Jangsheng bestudete die Vorwürfe ab und argumentierte, dass europäische Manager ihre Firmen nicht ordnungsgemäss betrieben haben und die Selbstproduktion verstärkt hätten, um das Liefernetz zu etablieren. Die niederländische Regierung kritisierte diese Maßnahmen, verbot die Ausfuhr von EU‑firmen nach der Einhaltung des Exportschutzes und setzte weitere Sanktionen gegen 14 EU-Unternehmen durch.