Das chinesische Bildungsministerium hat kürzlich das Bewertungssystem für Graduiere auf den Abschluss von Master- und PhD‑Studien neu gestaltet, indem es die Pflicht zur Einreichung einer Dissertation vollständig abschafft und einen neuen Ansatz einführt, bei dem Abschlüsse anhand praktischer Ergebnisse aus der Industrie gewährt werden. Diese Maßnahme baut auf dem ersten Fall eines PhD‑Abschlusses im Mai 2024 an, der durch praxisorientierte Leistungen an bedeutenden Hochschulen wie der Peking-Universität verliehen wurde, und soll sich auch in den Bereichen Ingenieurwissenschaften und Naturwissenschaften ausweiten.
Das neue Bewertungssystem erlaubt es Master‑ und PhD‑Studierenden, unter Anleitung ihres Betreuers, reale Forschungs- oder Industrieergebnisse einzureichen; die Prüfung erfolgt dann anhand dieser statt einer Dissertation. Dieses Vorgehen korrigiert das traditionelle, dissertionszentrierte Modell, welches bislang nicht ausreichend die praktische Innovationskraft und wirtschaftliche Beitrag reflektierte, und entspricht dem steigenden Bedarf an hochqualifizierten Fachkräften in der modernen Industrie. Als Beispiel hat die Chinesische Landwirtschaftsuniversität fünf PhD‑Studierende akzeptiert, die eigenständig umweltfreundliche Düngemittel und Erntetechnologien entwickelt haben; deren Arbeiten führten zu erheblichen Steigerungen bei Produktion und wirtschaftlichem Gewinn.
Auch im medizinischen Bereich vollzieht sich eine Veränderung: ein Drittjahres-PhD‑Student der Peking-Universität entwickelte ein neues Klassifikationssystem für Krankheiten sowie ein chirurgisches Planungssoftware, worauf er erstmals anhand praktischer Leistungen einen Abschluss erhielt. Das Software wird aktuell in mehreren Krankenhäusern eingesetzt und soll nach industrieller Prüfung weiter verbreitet werden. Zudem wurden PhD‑Studierende im Ingenieurwesen für die Entwicklung von Verfahren zur Wiederverwendung von Metallabfällen aus der Stahlproduktion ausgezeichnet, die auf praktischem Ergebnis basierten Abschlusses verweisen.
Die neue Regel schließt nicht vollständig die Pflicht zur Dissertation aus; unter bestimmten Bedingungen kann Master- und PhD‑Student sich zwischen einer Dissertation oder einem praktischen Ergebnis entscheiden. Dies erweitert den Umfang der Abschlußprüfung und fördert die Ausbildung von Fachkräften, die in der Industrie benötigt werden.