Betrachtet man den aktuellen Zustand des koreanischen Modemarktes, so bildet er eine Dreiecksachse, die von Lebensmitteln und Kosmetik dominiert wird. Auch an der Börse haben Unternehmen wie Samyang Foods von dem „Koreanischen Food-Fieber" profitiert, während APL und Dalba Global den Aktienkursanstieg durch das Wachstum der Beauty-Industrie begünstigt haben. Der Modebereich hingegen befindet sich relativ im Leerstand. Die bisher an der Börse notierten Modeunternehmen stützen sich weitgehend auf den Verkauf von Auslandslizenzen oder das Modell der Herstellerentwicklung und -produktion, sodass ein echtes Wachstum als Designer-Marke begrenzt blieb. In diesem Vakuum rückt das Start-up Piess Studio, das eine IPO an der KOSDAQ vorbereitet, ins Rampenlicht. Ihr bekanntes Blumen-Design wird zusammen mit Madge Kim und Marithé François-Valentin zu den „Big Three" der koreanischen Modezähle, und durch diese Börsengang haben sie ehrgeizige Ambitionen geäußert, über den inländischen Markt hinauszublicken und zu einem globalen Modehaus aufzusteigen.
Piess Studio wurde 2018 gemeinsam von der Grafikdesignerin und Gründerin Park Hwa-mok sowie ihrer Ehefrau Lee Soo-hyun, einer Ex-Buyerin für Luxusmarken bei Hansem, gegründet. Nach einem rasanten Wachstum durch eine Seed-Finanzierung bei Mousinsa Partners im Jahr 2021 wurde die Organisation 2023 weiter gestärkt, als Seo Seung-wan, ehemaliger Chef von Mousinsa Partners, als Co-Gründer beitrat. Basierend auf den Zahlen des letzten Jahres belief sich der Umsatz auf 11,79 Milliarden Won, wovon 25 % auf Auslandsmärkte wie Japan und China entfielen. Dies ist ein sehr hoher Wert im Vergleich zu den 1–2 % des Auslandsanteils bei großen Modeunternehmen und den etwa 10 % bei bekannten Independent-Labels. Allerdings existieren auch Bedenken hinsichtlich der etwas niedrigeren Bewertung von 300 Milliarden Won im Vergleich zur erwarteten Marktkapitalisierung von 1 Billion Won sowie der Angst vor einer Verlangsamung des业绩wachstums.
Die beiden Gründer erklärten diese Marktreaktion mit der Strategie des „direkten Verkaufs an Verbraucher". Park Hwa-mok betonte, dass sie seit zwei Jahren die Abhängigkeit von Plattformen wie Mousinsa verringert und sich auf den eigenen Onlineshop konzentriert haben. Er wies darauf hin, dass bei Abhängigkeit von Plattformen nur die gut verkäuflichen Produkte angezeigt würden und das Markenimage schnell verbraucht würde. Auch Seo Seung-wan sagte, dass trotz steigender Marketingkosten eine strategiezentrierte Ausrichtung auf den eigenen Shop notwendig sei, um diverse Kollektionen zu präsentieren und die Lebensdauer der Marke zu verlängern. Die Effekte dieser Strategie zeigen sich klar in den Zahlen: Die Mitgliederzahl des eigenen Onlineshops stieg von 60.000 vor zwei Jahren auf 450.000. Piess Studio plant, dieselbe Strategie auch auf Auslandsmärkte wie China, Japan und Südostasien anzuwenden und legt dabei besonderes Augenmerk auf den chinesischen Markt.
China trat nach dem Ende der Lizenzverträge bereits im letzten Jahr in einen direkten Markteintritt um. Der initiale Markteintritt war nicht einfach, doch die Gründer begründen dies mit fundiertem Selbstvertrauen. Seo erklärte, dass die Fangemeinde auf der beliebten chinesischen Plattform Xiaohongshu so stark sei, dass der Suchvolumen für die Marke monatlich 200 Millionen Mal erreiche. Im zweiten Halbjahr wird in Shanghai und Shanghai ein Offline-Flagship-Store eröffnet, der eine vielfältige Produktlinie präsentieren wird, ähnlich wie in Korea. Das ehrgeizige Ziel von Piess Studio geht über eine einfache notierte Modefirma hinaus und zielt darauf ab, sich zu einem globalen IP-Unternehmen um Marithé François-Valentin zu entwickeln. Dafür planen sie die Erweiterung der Lifestyle-Kategorie und die Anwerbung eines ausländischen Kreativdirektors, was in der koreanischen Modebranche selten ist. Als Vorbild dienten sie das Beispiel von Hyundai, das einen Audi-Designer für seine Globalisierung anstellte, und setzen nun auf die Zusammenarbeit mit ausländischen Designern, um zu einem weltweiten Modehaus aufzusteigen.